Düsseldorf: Einfamilienhaus soll Platz für Neubau machen, Mieter streiten sich

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Düsseldorf: Einfamilienhaus soll Platz für Neubau machen, Mieter streiten sich

In der Hauptstadt Nordrhein-Westfalens gibt es einen neuen Streitpunkt: Ein Einfamilienhaus in Düsseldorf soll einem Neubau weichen. Die Stadt plant, das bestehende Gebäude abzureißen, um Platz für ein neues Projekt zu schaffen. Doch die Mieter des Hauses sind dagegen und streiten sich mit der Stadtverwaltung. Sie fürchten um ihre Wohnungen und ihre Zukunft. Die Frage ist, ob der Fortbestand des Einfamilienhauses sichergestellt werden kann oder ob der Neubau tatsächlich priorisiert werden muss.

Düsseldorf: Einfamilienhaus soll für Neubau gemacht werden, Mieter in Angst

In dem Eckhaus an der Mauerstraße 32 leben zehn Haushalte zusammen, teils seit über 40 Jahren. Es ist eine diverse Gemeinschaft, Jung und Alt, mit migrantischem Hintergrund und ohne, man unterstützt und schätzt sich gegenseitig.

Mitte 2025 soll damit aber Schluss sein: Der Eigentümer DUS Invest XXII, hinter dem das Kö-Unternehmen PrivatCapital steht, hat eine Verwertungskündigung für die dort lebenden Mieterinnen und Mieter ausgesprochen.

Wohin geht die nächste Heimat für die Mieter?

Wohin geht die nächste Heimat für die Mieter?

Diejenigen mit langen Mietverträgen haben noch fast ein Jahr Zeit, etwas Neues zu finden. Die mit weniger als fünf Jahren Mietdauer müssen bereits zum 31. Juli 2024 ausziehen.

Der Plan des Immobilieninvestors: Das Haus aus den 1920er Jahren soll abgerissen werden. Der Neubau gewährleistet doppelte Wohnfläche, ist energetisch optimiert und altersgerecht geplant, schreibt PrivatCapital auf Anfrage.

Entstehen sollen zwölf familiengerechte Mietwohnungen mit ebenso vielen Tiefgaragenstellplätzen für E-Autos. Auch liegt eine Abrissgenehmigung der Stadt bereits vor.

Hilfe

Hilfe

Die Hausgemeinschaft weist auf ein Urteil von März 2024 hin. Darin steht, dass das Interesse des Mieters am Verbleib in der Wohnung den wirtschaftlichen Interessen der Vermieterin überwiegt.

Das Bündnis ist online unter www.bezahlbarer-wohnraum-duesseldorf.de erreichbar. Die Stadt verweist auf die Beratung des Wohnungsamtes.

Für die aktuellen Bewohner des Hauses ein herber Schlag. Wir sind traurig, dass unsere tolle Hausgemeinschaft jetzt aufgelöst werden soll, sagt Petra Geers, die seit 19 Jahren hier lebt.

Sie berichtet, dass das Haus im Dezember 2020 an den neuen Vermieter überging. Im August 2021 folgte eine Mieterhöhung. Seitdem sind keine Schäden aufgetreten, die Investitionen erfordert hätten. Dennoch argumentiert DUS Invest mit Verlusten.

Im Mai dieses Jahres folgte schließlich die Kündigung. Wir haben Härtefall-Anträge gestellt und Widerspruch gegen die Kündigungen eingereicht, sagt Geers.

Außerdem hat sich die Hausgemeinschaft an das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum gewandt, das den Fall nun publik macht.

Düsseldorfer Mieter kämpfen gegen den Abriss ihres Hauses, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten

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Auch wer mehr verdient, hat Chancen

Bisher habe er selten erlebt, dass so offen darüber kommuniziert werde, dass ein Unternehmen ausschließlich auf Rendite fokussiert ist, sagt der Sprecher des Bündnisses, Johannes Dörrenbächer.

Tatsächlich heißt es in dem Kündigungsschreiben, das der Redaktion vonseiten des Unternehmens selbst vorliegt: Ihr Mietverhältnis steht bedauerlicherweise dieser einzig sinnvollen wirtschaftlichen Verwertung (eines Abrisses und Neubaus, A.d.R.) entgegen.

Erstaunlich transparent werden Zahlen und Ergebnisse eines Gutachtens vorgelegt.

Komplexes Problem, das politischen Sprengstoff birgt

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Demnach soll die wirtschaftliche Restnutzungsdauer nur noch knapp 15 Jahre betragen, man habe zudem erhebliche handelsbilanzielle Verluste erlebt, diese lägen über 70.000 Euro für 2021 und 2022, und bei vorläufig über 93.000 Euro für 2023.

Mit reinen Sanierungen könne man nur eine geringe Mieterhöhung von maximal drei Euro pro Quadratmeter erheben, der Neubau wiederum brächte voraussichtliche Gewinne von 60.000 Euro pro Jahr.

Dörrenbächer prangert an dieser Stelle auch das Vorgehen der Stadtverwaltung an: Hier wurde nur geschaut, wie viel mehr Quadratmeter durch den Neubau entstehen. Was das für die Bewohner bedeutet, interessiert offenbar nicht.

Sowohl Unternehmen als auch ein Stadtsprecher betonen zwar, dass keine Luxuswohnungen entstehen und alle rechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Aber letztlich ist Luxus Auslegungssache.

Von den jetzigen Mieterinnen und Mietern werden sich viele die neuen Wohnungen kaum leisten können